Kamerun im deutschen Familienjahr: ein Kalender, der trägt
Der 11. Februar, der 20. Mai, die großen Ferien und der Sonntag dazwischen. Wie Familien Herkunft im Alltag verankern, statt sie einmal im Jahr zu feiern.
Kultur weitergeben scheitert selten am Willen. Sie scheitert am Kalender. Wer sich vornimmt, "mehr über Kamerun zu erzählen", erzählt in einem vollen deutschen Familienjahr am Ende gar nichts.
Ein Datum dagegen kommt von selbst wieder.
11. Februar, Fête de la Jeunesse
Der kamerunische Jugendtag ist das Datum, das sich in einer Familie mit Schulkindern am leichtesten verankert, weil es Kindern gehört. In Kamerun marschieren Schulklassen. Hier reicht ein Abend, an dem die Kinder bestimmen, was gekocht wird und welche Musik läuft.
20. Mai, Fête nationale
Der Nationalfeiertag erinnert an das Referendum von 1972 und den Übergang zum Einheitsstaat. Für Kinder, die hier geboren sind, ist der Feiertag ein brauchbarer Aufhänger für die Frage, warum die Familie zwei Sprachen mitbringt, Englisch und Französisch, und was das mit der Geschichte des Landes zu tun hat. Diese Frage kommt ohnehin. Es ist angenehmer, sie an einem Datum zu beantworten als an einem Schulhof.
Die großen Ferien
Sechs Wochen im Sommer sind die einzige Zeit, in der ein längerer Besuch möglich ist, in beide Richtungen. Wer nicht fliegen kann, und das sind die meisten Familien in den meisten Jahren, kann sie trotzdem nutzen. Zwei Wochen, in denen zu Hause nur Französisch gesprochen wird, verschieben mehr als ein ganzes Schuljahr guter Vorsätze.
Der Sonntag dazwischen
Das Wichtigste im Kalender steht nicht im Kalender. Es ist der wiederkehrende Termin ohne Anlass: der Anruf bei der Großmutter, immer zur selben Zeit; das Gericht, das es immer sonntags gibt; die Familie, die man zweimal im Monat trifft, weil man es einmal verabredet hat und seitdem nicht mehr fragt.
Ndolé ist Ndolé, nicht "ein traditionelles Gericht". Ein Kind, das den Namen kennt, kann ihn in der Schule sagen. Ein Kind, das nur weiß, dass es "was Afrikanisches" gab, kann das nicht.
Was daraus ein Jahr macht
Zwei feste Daten, eine lange Strecke im Sommer und ein wöchentlicher Anker reichen. Mehr Vorsätze bedeuten nicht mehr Kultur, sie bedeuten nur mehr schlechtes Gewissen.
Wir bauen Kinavela um genau diese Wiederholung herum: Villages, in denen sich Familien nach Region und Alter der Kinder finden, statt eines Feeds, in dem man sich einmal anschaut und nie wiedertrifft. Ein Termin gehört bei uns immer einem Village. In der Datenbank kann ein Event ohne Village gar nicht existieren; wir haben das absichtlich so festgeschrieben, weil es der Unterschied zwischen einer Einladung und einem Aushang ist.
Ein Fest im Jahr ist ein Foto. Ein Sonntag alle zwei Wochen ist eine Kindheit.